Elia: Harte Liebe – der verlorene Sohn
Zu Gast ist Vera
V: Die Verbindung mit meinem drogensüchtigen Sohn habe ich abgebrochen, er war immer nur in Abwehrposition und hat mir sehr weh getan. Darf ich mich so abweisend verhalten, weil ich mich schützen möchte?
Ja, auch weil du ihn schützen musst.
Nein, nicht vor dir, sondern davor, dir gegenüber immer mehr in die Position des Schuldners zu geraten.
Es ist die harte Liebe, die du jetzt liebst.
Nichts in der Welt ist schwieriger: Lieben und hart sein müssen!
Oh, es ist so leicht, zu lieben, wenn man zärtlich sein darf. Wenn man Nähe herstellen darf, wenn man Verständnis zeigen darf und Milde walten lassen kann.
Erinnerst du dich an das Gleichnis des verlorenen Sohnes?
Ich möchte es dir erzählen:
Da ist ein reicher Mann, der hat zwei Söhne. Der eine Sohn ist sehr fleißig, er hilft seinem Vater, wo er nur kann. Er sorgt für Vieh und Leute, er bearbeitet das Land und ehrt seinen Vater.
Da ist ein anderer Sohn: ein zorniger, junger, wilder Mann.
Alles ist ihm zu viel, nichts ist ihm richtig und gar nichts ist etwas wert.
Und eines Tages kommt der Mann in seiner Wildheit auf die Idee:
Vater, zahl mir mein Erbe aus, auf dass ich in die Welt gehen kann.
Das tut er, der Vater, er tut´s und er weiß genau, was kommt. Er weiß, dieser Sohn hat kein inneres Gesetz, das ihn hält.
Dieser Sohn hat nicht die Fähigkeit, zwischen guten Menschen und leichtfertigen Menschen zu unterscheiden. Er weiß, dieser Sohn kennt kein Pflichtgefühl und kennt keine Bindung.
Dieser Sohn hat nur eins: eine große Sehnsucht danach, sich selbst zu erproben.
Und er weiß, dass diese Probe erbärmlich scheitern wird.
Dennoch hat er die Härte, ihn gehen zu lassen.
Der junge Mann kommt, wie zu erwarten war, in schlechte Gesellschaft. Und solange er das Geld seines Vaters hat, ist er beliebt, aber dann ist es vertan und er hat nichts mehr:
Keine Freunde, keine Chancen, kein Zuhause, nichts.
Hat sich erprobt und ist an sich gescheitert.
Dieser Sohn kehrt zurück an den Hof seines Vaters, niemand erkennt ihn.
Nichts von seiner Schönheit ist geblieben, eine erbarmungswürdige Gestalt.
Und er tritt vor seinen Vater und sagt: Vater, ich will nichts, ich bitte dich nur darum, dass ich hier bei dir arbeiten darf und wenn es dir gefällt, so ist mir auch ein Nachtlager bei den Schweinen recht.
So tief ist er gefallen in seinem Selbstwert!
Da umarmt ihn der Vater und er lässt ein riesiges Fest ausrichten. Nicht, weil der Sohn heimgekommen ist, sondern, weil der Sohn endlich begriffen hat, dass er wirklich, wirklich sehr viel mehr lernen muss, dass er wirklich mit all seinen Ideen von Freiheit, Verantwortungslosigkeit und Gier gescheitert ist.
Der andere, brave Bruder ist ungehalten darüber. Für ihn wurde nie ein Fest gefeiert, für ihn wurden nie die besten Tiere geschlachtet und alle Nachbarn eingeladen.
Dieses Gleichnis erzählt Jesus und er sagt:
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