817: Eine der größten Waffen der Destruktivität ist der Schlaf der Seelen.

Schlaf der Seelen

Du weckst die Seelen auf, die zwangsnarkotisiert irgendwo ein kärgliches Dasein fristen.
Und ich spreche hier nicht von den Seelen im Jenseits.
Hierbei hilft dir dein Stern.
Er hält immer wieder das Feuer in dir wach und er wird dich immer wieder daran erinnern,
dass es darum geht, die Welt aus ihrem Schlaf zu reißen.

 

Zu Gast sind Juliane und Harry.

Die nächste Frage, bitte.

Harry: Ich möchte was fragen.

E: ja.

H: Erstmal freue ich mich, dass ich da bin.

E: wir uns auch.

H: Ich möchte was fragen: wer ist bei mir?

E: Ich würde am liebsten sagen, dein hellster Stern. Aber ich scheue mich, dies zu tun. Ich möchte, dass du begreifst, dass du mit einer Seele verbunden bist, die uralt ist und sehr weise. Sie hat die Meisterschaft schon erreicht, da wandelte ich noch als Tröpfchen im See, um im Bilde zu bleiben.
Es ist eine Seele, die weder männlich noch weiblich zu bezeichnen wäre, sondern die in sich beides schon längst vereint.
Es ist eine Seele, die die Schöpfung unbändig liebt und deren tiefstes, tiefstes Anliegen ist, dich daran zu erinnern, dass deine größte Sehnsucht darin besteht, dass die Menschen keine toten Seelen mehr haben.

Du rufst sie wach, die gestorbenen Seelen in den Menschen, die doch scheinbar am Leben sind. Sie haben ihre Seelenreaktionen vergraben, betoniert, verbrannt, versteckt, nicht einmal betrauert.

Und du versuchst sie schon so lange wachzurufen, und das ist wichtig. Es spielt keine Rolle, auf welcher Bühne du stehst, berühmt oder belanglos. Ein großer Mann, ein kleiner Mann, das ist nicht wichtig.
Wichtig ist: Du weckst die Seelen auf, die zwangsnarkotisiert irgendwo ein kärgliches Dasein fristen. Und ich spreche hier nicht von den Seelen im Jenseits.

Hierbei hilft dir dein Stern. Er hält immer wieder das Feuer in dir wach und er wird dich immer wieder daran erinnern, dass es darum geht, die Welt aus ihrem Schlaf zu reißen. Eine der größten Waffen der Destruktivität ist der Schlaf der Seelen.
Ich möchte dir keinen Namen nennen. Ich möchte, dass du das tust. Wie ein zärtliches großes Wort, das nur für jene bestimmt ist, die ganz vertraut miteinander sind. So tust du recht.

H: danke. Ich habe – du weißt – mit Amadeus zu tun gehabt und immer noch zu tun. Und es ist ein Punkt erreicht, wo ich nicht recht weiterkomme. Aber ich weiß, er muss in Frieden kommen und trotzdem ist er um mich herum.
Was ist das Beste für mich, zu tun, dass ich ihm helfen kann?

E: Du musst ihm die Wahl überlassen, ganz streng und hart. Er hat zwei Möglichkeiten: Er geht ins Licht und lässt sich endlich auf Liebe ein oder er geht für immer von dir fort.
Wir wollen ihn beide im Licht, denn er hat soviel Licht geschenkt und tut es noch mit seinen Werken.

Sag ihm bitte, wir warten alle. Sag ihm: Der, der ihm die Musik gab. Jene, die nachts kamen, jene, von denen er nie erwartet hat, dass sie kommen würden. Er weiß, was ich meine.
Der, der ihm das gab, der wartet: Es ist euer Guide. Er kennt ihn. Er sah ihn in den letzten Fieberträumen und er hat ihn verloren.

Sag ihm, er hat ein Universum von Musik, das auf ihn wartet. Ein Universum, in dem Musik nicht nur zu hören ist, sondern, in dem er in ihr lebt und sie atmet. Sie ist – in dem eine Weite erfüllt ist – so unermesslich groß, dass nicht einmal die Sonne reichen würde, um diese ganze Weite zu füllen. Musik, die Form ist und Farbe und Leben und Rhythmus und Lust und Wut, Tanz und Lachen.
Sag ihm, das, was ganz tief in ihm ist, das darf jetzt außen sein. Er wird gehen, ganz gewiss.

H: Ich danke dir.
Weil wir bei der Wut sind: Ich bin überhaupt nicht frei von Wut, nie gewesen und glaube ein bisschen auch, dass ich weiß, woher sie kommt. Aber ich wollte dich bitten, ein bisschen tiefer hineinzuschauen und auch zu zeigen, wie das sich im Körper widerspiegelt.

E: Deine Wut gilt der vermeintlichen Sinnlosigkeit der Depression. Das ist ernst. Und das ist eine Frage deines Herzens.
Hier gilt für dich, was für deine – ich hoffe ihr erlaubt es mir so zu nennen – Frau gilt: Sei ein weiter Berg über einen tiefen See, ja?
Die Welt soll erwachen. Die Seelen sollen endlich lebendig sein, ja?

Und was tun sie? Sie spielen Maskenbälle. Es scheint ein unendlicher Karneval in Venedig stattzufinden.
Lieber Harry, glaub’s mir, glaub mir, du hast mehr Seelen erwachen lassen, als du ahnst.

Ich sagte es einmal meiner Uta, die sehr enttäuscht war, weil nicht geachtet wurde, was sie gesagt hatte an einem Abend. Ich sagte: „Beruhige dich. Gesagt ist gesagt! Doch wann es wirkt, das wirst du vielleicht nie erfahren“.
Harry: Geweckt ist geweckt und wann das wirkt, wirst du vielleicht auch nie erfahren, ja?

H: alles klar.

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