Uta Hierke-Sackmann
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Brücke_zu_Gott

 Und es ist meine Aufgabe: Dir bei der Erkenntnis zu helfen, dass du sie dann findest, wenn du selbst anderen diese Brücke bist.

Ich bitte meinen Guide, mich mit dem Schutzengel von Katharina zu verbinden, Katharina bittet um diesen Kontakt.

Ich bin in einer Art Grotte, ein schmaler, unterirdischer Gang, der so niedrig ist, dass er keine aufrechte Haltung erlaubt. Dennoch hell genug, denn nur wenige Schritte weiter führt er in eine Art Felsenhalle, von dort fällt helles Tageslicht ein, das ausreicht, mich hier sicher gehen zu lassen.
Der enge Gang vor mir weitet sich zu einer nach oben hin geöffneten, großen, fast kreisrunden Höhle. Ein kleiner Teich ist hier, der von einem hellen Quell aus einer der Wände gespeist wird und zur rechten Zeit ins Freie abläuft …
Mir gegenüber sitzt eine Frau, mir den Rücken zukehrend. Vor ihr halbsitzend eine junge Frau, ganz offensichtlich in den Wehen. Neben ihr ein Mann, sein Haar, kurz und dunkel, das Gesicht schmal und blass, gekleidet in eine Art Kittel aus weißer Wolle, grob gewebt. Er hält die Hand der Gebärenden, deren Gesicht von Schmerz und Anstrengung gezeichnet ist.
Er blickt auf, erkennt mich und kommt zu mir, die Geburtsszene hinter ihm wird zu einer Art „Standbild“.

G. Willkommen, Wanderin, Willkommen! Es ist höchste Zeit …

U: Du meinst die Geburt?

G. lächelt: So könnte man es auch sagen. Ich bin Merian, der Schutzengel von Katharina. Komm, lass uns hinausgehen …
Er nimmt mich bei der Hand und zieht mich durch den niedrigen Gang ins Freie, der Ausgang der Höhle liegt auf einem kleinen Felsvorsprung.
Unter uns eine Ebene, die sich weit am Horizont zum Meer erstreckt. Nur wenig Grün ist zu sehen, hier und da einige Bäume und Sträucher, auch Weinstöcke, sonst Felder, die anscheinend längst zur Ernte reif sind.
Zu meiner Rechten scheint sich – dem Meer zu – eine Stadt zu befinden, aber der ganze Ausblick darauf wird mir durch Felsen verwehrt …
Es ist glühend heiß hier und ich sehne mich schon nach wenigen Atemzügen zurück in die frische Kühle der Höhle.

M. Wir sind im Jahr 79 n. Chr. Was du vor dir siehst, ist der Golf von Neapel.

U Dann ist dieser Berg, auf dem wir stehen, der Vesuv?

M: Ja, so wie er vor seinem Ausbruch war. Aber dazu kommen wir später.
Ich habe dich nicht ohne Grund in diese Inkarnation von Katharina geführt. Es gibt Inkarnationen, in denen die Seele sich mehr oder weniger „Kleinigkeiten“ ihrer Entwicklung stellt. Es gibt aber auch solche, die derart viele Erfahrungen mit sich bringen, dass sie über viele Inkarnationen hinaus den Fortschritt der Seele beeinflussen.
Sie sind der Beginn vieler unterschiedlicher Bewegungen der Seele und damit haben sie eine Schlüsselrolle im Gefüge der Bewusstwerdung.
Meine liebe Katharina, dieses Leben hier war solch eine Schlüsselposition. Ich kann darum nicht auf jede einzelne Facette eingehen, mit deinem Verständnis für tiefe Zusammenhänge wird es dir gewiss selber klar werden. Heute soll es mir um den Aspekt gehen, der derzeit dir selbst die meisten Rätsel aufgibt.

Die Frau, die das Kind gebärt, bist du gewesen. Ich war dein Freund, dein Bruder der Seele, nicht aber dein Mann und erst recht nicht der Vater des Kindes.
Dein Name damals war Semisa, du warst Priesterin. Nein, dieser Umstand war nicht der Grund für die Geburt in der Grotte. Sondern die Tatsache, dass du deshalb Priesterin warst, weil du hellsichtig warst.
Aber ich will nicht zu weit vorgreifen.
Ich lernte dich etwa zwei Jahre vor diesem Geschehen kennen. Ich war Grieche und mein Wunsch, die Weisheiten der Welt kennenzulernen, hatten mich hier nach Pompeji und Heraklion gebracht. Ein Suchender war ich.

In unserer Welt damals gab es unzählig viele Weisheiten oder Glaubensformen.
Die römische Politik, jedem okkupierten Volk seinen ihm vertrauten Glauben zu lassen, hatte zu dieser – für jeden fast unüberschaubaren – Anzahl an Gottheiten geführt. Immer neue Kulturen traten hervor, verschmolzen mit alten oder überholten sie.
Und ich suchte DIE Wahrheit unter Hunderten von Wahrheiten, von der jede behauptete, die einzig Richtige zu sein.
Ja, so viel anders als in deinem heutigen Leben war die Situation also gar nicht.

Vieles hatte ich mir angesehen, auch war ich in verschiedenen eingeweihten Kreisen unterschiedlicher Religionen bewandert, vornehmlich den östlichen. Und nun also begann ich meine theologischen und philosophischen Studien in dem Schmelztiegel aller Religionen schlecht hin, in Pompeji!
Dich lernte ich in deiner Funktion als Orakelpriesterin kennen.

Nein, nein, ich ging nicht zu dir, um dir Fragen über meine Zukunft zu stellen, ich wurde für dich als Lehrer eingestellt. Denn ein Orakel ohne allgemein gute Bildung war ein schlechter Ratgeber. Schließlich kamen Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen zu dir. Was solltest du antworten, wenn du weder von jener Kultur, Religion noch ihrem sozialen Einbindungen etwas verstehst?

Ich weiß schon, die Frage drängt sich auf, ob du, wenn du derart ausgebildet wurdest, überhaupt hellsichtig warst, überhaupt Kontakt zu den Göttern hattest, um deren Durchsagen du gebeten wurdest.
Oder ob deine Aufgabe damals nichts weiter als ein großer Lug und Trug war?

Nun ja, lass es mich so sagen: Für DICH war es wahr, aber für jene, die dir von Amt und Geburt übergeordnet waren, nicht.
Und für mich? Ich wusste es eben nicht, gerade darum war ich froh, dir so nah sein zu dürfen, dich beobachten zu können …
Wahrheit, Illusion oder gar Betrug? Meine Zeit mit dir sollte mir Aufschluss über diese Frage geben.

Wir wurden so schnell vertraut miteinander! Vielleicht – so dachte ich damals – weil wir beide das Gleiche suchten: einen guten Grund, um glauben zu können!
Ja, auch du suchtest den. Sogar viel mehr als ich! Ich suchte lediglich die Bestätigung einer Idee, die Bestätigung dafür, dass das, was du bist, wahr ist.

Schon als Kind bist du aufgrund deiner Vorhersagen aufgefallen, deine Eltern waren stolz darauf, als du mit nur drei Jahren in den Minervatempel aufgenommen wurdest. Du warst ganz offensichtlich eine Begnadete, eine Auserwählte.

So früh an deine außergewöhnliche Position gewöhnt, hattest du anfangs keinerlei Schwierigkeiten mit deiner Art des Seins. Im Gegenteil!
Es war schön, dass die Aussagen, die du machtest, ernst genommen wurden. Es gab dir das Gefühl von Bedeutung, von der Wichtigkeit dessen, was aus dir kam. Und so könnte man durchaus von einer glücklichen Kindheit reden, wenn nicht andere Fähigkeiten und Talente, die du hattest, völlig unterdrückt worden wären.

Deinem tiefsten Wesen nach warst du ein Menschenkind, das die Welt und das Weltliche liebte. Deine Interessen waren ganz und gar nicht „spirituell“, sondern ausgesprochen handfest. Du hättest so gerne gelernt, was anderen Mädchen selbstverständlich ist: kochen und weben, töpfern und Pflanzen pflegen, den Umgang mit kleinen Kindern und Tieren. Aber all das war dir verboten.
Nicht einmal singen durftest du, was dir ganz besonders schlimm war! Denn deine Seele war erfüllt von Liedern!
Statt dessen hattest du zu lernen, zu lernen und noch einmal zu lernen!

Zuerst galt es, alle Geheimnisse deines eigenen Glaubens zu begreifen. Und als diese Ausbildung abgeschlossen war, ging es um die fremden Glaubenssysteme.
Ich schließlich sollte ich dir die Philosophien der Welt näher bringen.

14 Jahre warst du, als wir uns trafen, in meinen Augen warst du ein Kind und ich in deinen Augen ein „Greis“ von über vierzig Jahren. Und dennoch …
Ich hatte erwartet, eine Jugendliche vorzufinden, die aufgrund ihrer Erziehung fanatisch ihrem eigenen Glauben folgte. Und nichts hinterfragte, am wenigsten sich selbst. Wie erstaunt war ich, als deine erste Frage an mich war: „Meinst du, in der Lage zu sein, mir beibringen zu können, Wahrheit und Illusion unterschieden zu können?“

„Nein“, sagte ich, „das kann ich nicht, ich selbst suche nach dem Mittel dazu.“

Deine Antwort war: „gut! Dann werden wir uns sicher verstehen!“

Ich kam zwar als dein Lehrer, aber es dauerte nicht lange, da merkte ich, dass ich auch dein Schüler war.
Viele Orakel hatte ich erlebt. Zu ihnen zu gehen, um sich Rat in wichtigen Entscheidungen zu suchen, gehörte zum Alltag unserer Kulturen. Aber niemals hatte ich eine solche Person außerhalb ihrer Funktion erlebt.
Ich glaube, ich hatte sie immer für im Grunde NICHT menschlich gehalten. Irgendetwas, was zwischen den Göttern und den Menschen stand: heilig, der Welt entfremdet und unantastbar.

Nie hätte ich gedacht, dass diese Menschen sich selbst ganz und gar nicht so erlebten. Dass sie mit dem gleichen Sorgen, Zweifeln und Ängsten, aber auch Sehnsüchten und Hoffnungen zu leben hatten wie alle anderen auch. Das habe ich erst durch dich gelernt.

Jeden Rat, den du von den Göttern empfangen hast, um ihn weiterzugeben – aber auch jede Mahnung – lastete schwer in deiner Seele, nie warst du sicher, das RICHTIGE gesagt zu haben …

„Am liebsten würde ich immer nur Glück vorhersagen!“, sagtest du mir einmal, als du müde und erschöpft von einer Orakelsitzung kamst, in der du den nahen Tod eines Sohnes einem Vater prophezeit hast …
„Sagst du oft Glück voraus?“, fragte ich dich.
„Oh ja! Ja, sehr oft!“

Hm, das machte mich nachdenklich …
Du warst das begehrteste Orakel der Stadt, man wartete monatelang auf eine „Sitzung“ bei dir. Bis jetzt hatte ich gedacht, dass dies an deinem freundlichen, mitfühlenden Wesen lag. Aber könnte es nicht ebenso gut sein, dass es sich herumgesprochen hatte, dass deine Vorhersagen mit größerer Wahrscheinlichkeit angenehm waren?
Du hast sofort gespürt, dass etwas in mir vorging. Und wie es deine Art war, hörtest du so lange nicht auf, in mich zu dringen, bis ich frei heraus von meinen Zweifeln sprach …

„Du meinst, ich sage voraus, was ich selbst haben möchte? Meinst du das!?“

„Ich weiß es nicht!“

„Dann finde es heraus! Bitte geh und finde es heraus!“

Du warst so aufgeregt, so außer dir, dass ich Angst bekam.
„Aber warum willst du das jetzt wissen? Du gibst den meisten Menschen Mut, auch wenn du dich irren solltest, lass es doch dabei!“

„Nein, nein, ich muss das wissen, geh, bitte finde es heraus! Frag alle, ich kenne die Namen, frag sie, was aus meinem Glücksorakel geworden ist! Ich muss das wissen, wie soll ich sonst je wieder Vertrauen in das Wort haben, das aus mir kommt!“

Also ging ich …
Viele Menschen befragte ich, dennoch kam ich ohne rechtes Ergebnis. Den meisten Menschen, denen du in der einen oder anderen Angelegenheit Glück vorhergesagt hattest, war durchaus in IRGENDEINER Weise Glück beschieden.
Allerdings muss man sagen, dass dieses „Glück“ in nicht wenigen Fällen Auslegungssache war. Der Eindruck, dass sie sich ihr „Glück“ einredeten, war nicht immer von der Hand zu weisen …

Deine Reaktion auf dieses Ergebnis war tiefe Erschütterung. Einige Tage wurdest du sogar sehr krank darüber. Aber kaum vom Fieber erholt, hast du mich erneut losgeschickt. Dieses Mal sollte ich erforschen, wie es jenen ergangen war, denen du Unglück in der einen oder anderen Sache vorhergesagt hattest.

Lange schob ich deinen Auftrag vor mich her. Meine Angst, wie du das Ergebnis aufnehmen würdest, war sehr groß. Aber letztlich gab ich deinem stetigen Drängen nach. Es stellte sich heraus, dass deine negativen Vorhersagen fast einhellig eingetroffen waren!
Ich dachte, dass dieses Ergebnis dich festigen würde, dass du nun wieder Vertrauen in deine Kunst finden würdest, aber das Gegenteil war der Fall!

„Ich! Ich bringe das Unglück! Hätte ich ihnen nichts gesagt oder hätte ich ihnen Glück vorhergesagt, sie hätten irgendwie doch das Glück gefunden, und wenn auch nur in ihrer Einbildung! Ich sage Unglück voraus und sie bekommen, was sie fürchten, verstehst du? Das mache ich nicht mehr! Schluss! Mein Mund wird sich nicht mehr öffnen, um Unheil vorherzusagen, das schwöre ich bei Minerva! Ich will nie, nie die Ursache für den Kummer der Menschen sein, die mir vertrauen!“

Ach, mit jeder Reaktion hätte ich gerechnet, aber nicht mit dieser! Ich schämte mich meiner Zweifel. Ich schämte mich, dich in MEINE Zweifel hineingezogen zu haben. Und ich schämte mich noch mehr, nun keine Lösung für dich zu finden!
Aber wie hätte ich der zukünftigen Entwicklung Einhalt gebieten sollen?
Du sagtest also nur noch Glück voraus! Oder hast eben behauptet, die Göttin würde dir keine Auskunft geben.

Die Folge davon war, dass der Zulauf zu dir noch größer wurde! Bald schon kamen Menschen sogar mit Schiffen angereist.
Dennoch: Bei den dir übergeordneten Priesterinnen erregtest du mehr und mehr Misstrauen, bis sie dich schließlich ins Verhör nahmen und herauskam, dass du kein Orakel mehr warst, das ALLES sagte, was ihm durch die Göttin gegeben wurde!

Das Resultat war, dass man dich verstieß! Du hattest dich dem Tempel nicht mehr zu nähern, musstest dein Priestergewand abgeben und wurdest entlassen. Allein der Umstand, dass man keinen Skandal wünschte, verhinderte, dass du der eigentlich auf dieses Vergehen festgesetzten Todesstrafe entgehen konntest.

Da ich mich verantwortlich fühlte für all das, nahm ich dich bei mir auf. Deine Familie schämte sich deiner zu sehr. Aber ich hatte durch Erbschaft ein wenig Vermögen und kaufte darum einen kleinen Bauernhof unterhalb des Vesuvs, etwa zwanzig Kilometer außerhalb der drei Städte, in denen dein Gesicht jedem Bewohner bekannt war.

Ich dachte, du würdest unglücklich sein, aber das Gegenteil war der Fall. Schnell und eifrig lerntest du alles, was eine gute Haushälterin braucht.
Während ich mich der Niederschrift meiner Studien widmete, warst du mir wie eine Tochter. Und ich darf sagen, diese glücklichsten fünf Jahre unserer beider Leben sind auch heute noch ein festes Band zwischen unseren Seelen.

Manchmal wunderte ich mich über dich. Ich suchte nach Spuren der Priesterin, suchte nach dem, was von deiner Gabe noch da sein mochte. Doch nie fand ich Anlass, zu vermuten, dass du noch irgendwelche Vorahnungen hattest.
Manchmal erschütterten Erdbeben das Land. Und während die Tiere lange vorher unruhig wurden und selbst ich mich dem Gefühl drohender Gefahr nicht entziehen konnte, schienst du nicht im Mindesten beunruhigt …

Das nahm allerdings im Herbst 78 eine völlige Wende. Nachts plagten dich böse Träume, Feuer sahst du und schreiende Menschen, schließlich konntest du selbst im Wachzustand dich dieser Bilder nicht mehr erwehren. Meine Besorgnis um dich wuchs schließlich soweit, dass ich dich zu einer der vielen Heilerinnen brachte.

Ich dachte, sie würde dir einen Tee gegen die schlechten Träume und Gesichte geben. Statt dessen kamst du mit verweinten Augen aus ihrem Haus, um mir mitzuteilen, dass du nun hier bleiben würdest.
So sehr ich versuchte, herauszufinden, was in dem Haus vorgegangen war, ich bekam keine Antwort. Nur dass du wiederkommen wirst, sobald sie Zeit reif sei …
Am 23. August 79 morgens um 8 Uhr standest du mit der Alten gemeinsam vor mir, hochschwanger!

Um es kurz zu machen, die Alte gehörte einem alten Mithrakult an. Sie sah, dass du
– wie viele Mediale in diesen Tagen – Vorahnungen eines bevorstehenden Unglücks hattest.
Das Außergewöhnliche an dir allerdings war, dass du in dem Glauben lebtest, daran ursächlich Schuld zu haben, falls es eintrifft. Um das zu verhindern, warst du zu allem bereit! Schließlich hattest du versprochen, dass nie wieder ein Mensch ins Unglück kommen soll, weil du es vorhersiehst!

Dem damaligen Kult entsprechend wurde ein Opfer verlangt, um den großen Zorn des Gottes zu verhindern, das Opfer sollte ein Kind sein, dein Kind. Gezeugt durch einen Priester, die Geburt berechnet nach den Sternen …

Und nun gab man der einzigen Bitte nach, die du gestellt hattest: Dass ich bei dir bin, wenn dieses Kind geboren werden sollte. Ein Kind, das nach dem Glauben des Kultes alle Sünden auf sich nehmen sollte, damit Tausende vom Unglück, das drohte, frei blieben.
Ich war so wütend über diesen Unsinn und so voller Mitleid mit dir! Ich willigte ein, dir zur Seite zu stehen und schmiedete insgeheim Pläne, dich und das Kind dem Kult zu entziehen …

Schwer war dein Aufstieg hier in diese heilige Höhle und lange dauerten die Wehen!
Mehrmals meinte ich, Erschütterungen des Berges zu spüren, mehrmals meinte ich, dass der Pegel des kleinen Teichs an- und abschwoll. Die Alte versorgte dich, so gut sie konnte, dennoch hattest du Fieber und fürchterliche Visionen schienen dich zu quälen …
Lange sagtest du trotz der Schmerzen kein Wort, bis alles aus dir herausbrach. Heute kann man sagen: Es war die exakte Prognose des Ausbruchs des Vesuvs am 24. August 79! Und du sagtest unser aller Tod voraus. Mit der nächsten Schmerzwelle wurde dein Söhnchen geboren …

Die Alte nahm ihre Sachen, machte sich auf den Weg, ihre Priester zu holen. Das war meine Stunde! Unweit von hier hatte ich einen Esel untergebracht, dorthin trug ich dich und das Kind. Ich wusste ein Versteck im Berg, dahin führte ich dich, so schnell ich konnte, und tatsächlich blieben wir völlig unbehelligt.
Aber du hast keine Erleichterung gezeigt, keine Freude, der Opferung zu entkommen. Als der erste heftige Eruptionsstoß die Erde erschütterte, sagtest du: wegen mir …

Katharina, es ist mehr als an der Zeit für deine Seele, sich von Schuld frei zu sprechen, findest du nicht?
Es ist mehr als an der Zeit, diese alte Erfahrung in der ganzen Tiefe zu verstehen und als Erfahrung zu akzeptieren, statt sich vor irgendeiner Form einer Wiederholung zu fürchten.
Es ist wirklich an der Zeit, nun wieder du selbst sein zu dürfen!

Dir dabei zu helfen, begleite ich dich nun schon durch so viele Leben. Und dieses als Katharina ist das Ergebnis all unserer Bemühungen, die Schäden jener verhängnisvollen Entwicklung vor fast 2000 Jahren abschließend beheben zu können.
Katharina, ich hätte dir gerne die Erinnerung erspart, aber ich kann es nicht, ohne in Gefahr zu kommen, dass du nicht verstehst, um wie viel es geht.

Von dieser Inkarnation an prägte dich die Sorge, durch dein so Sein anderen Menschen Schaden zu können. Also hast du alles unterlassen, was deiner Ansicht nach damit zusammenhängt. Deine Sensitivität, deine angelegte Medialität, deine angelegte Verbindung mit allem, was außersinnlich ist, hast du versucht, nie wieder zu leben.
Stattdessen hast du dich der „Realität“ verschrieben. Deine Urteile, deine Ziele, deine Werte sollten für jeden nachvollziehbar nützlich sein, gut und praktisch, vor allem aber beweisbar!

Daran ist nichts auszusetzen, außer einem: So hast du über viele Inkarnationen deine eigene Mitte verloren. Denn deine Mitte ist ja eben das, was nicht fassbar ist, was nicht sichtbar ist, was nicht beweisbar ist.
Was für ein Konflikt der Seele!
Wenn ich bin, wie ich bin, dann bin ich unreal.
Wenn ich nicht bin, wer ich bin, bin ich mir selbst nicht mehr real!

Stein für Stein dieser Mauer um dein Selbst haben wir abgetragen. Jetzt endlich hatte deine Seele den Mut, sich wieder dem Spirituellen zu öffnen! Und tatsächlich spürst du – nun zum ersten Mal wieder – dass du in der nichtmateriellen Welt AUCH! zuhause bist.
Jetzt geht es darum, zu erleben, das beides zusammengehört: Dass dein – wie du es nennst – „Bauchgefühl“ genauso wichtig ist wie dein Verstand, dein Gespür für Entwicklungen genauso wie deine Gabe, Dinge zu analysieren!

Jetzt erlebst du, dass es sich nicht um ein entweder / oder handeln kann, sondern dass du BEIDE Kräfte in dir trägst: Du kannst sachlich sein UND du kannst sensitiv sein. Du kannst den Weg des Gottsuchers gehen UND du kannst ein Menschenfreund sein.

Das Wichtigste aber in dieser Inkarnation wird sein, deinen Platz wieder zu finden.
Den Platz, der in der Mitte liegt zwischen dem Materiellen und dem nicht Materiellen.
Ich weiß, wie sehr du dich nach Sicherheit sehnst. Ich weiß, wie schwer du sie lang genug vermisst hast und obendrein auch viel zu früh.
Zweifach, Katharina, sind deine Wurzeln in jeder Weise.

Damit du verstehst, dass dieses Zweifache gerade das ganz Besondere an dir ist: Deine Wurzeln hast du im nicht Wahrnehmbaren und im Wahrnehmbaren.
Deine Identität hast du in der Mitte deiner Gefühle, aber auch der Gefühle anderer.
Und glaub mir, wenn ich dir sage: Das ist sehr gut so!

Siehst du es nicht?
Was wäre dein Realitätssinn, wenn da nicht auch dein Mitgefühl wäre?
Was wäre dein Fleiß, wenn da nicht auch nicht auch deine Fähigkeit zum Träumen wäre?
Was wäre deine Lösungsorientiertheit, wenn da nicht auch ein tiefer Glaube in das Gute in allem wäre?
Nichts!
Du wärest wunderbar zu nutzen, aber es würde gerade das nicht geben, was der Teil Gottes ist, der in dir lebt: Du würdest nicht strahlen, du würdest nicht wärmen.

Deine Seele hat beschlossen, die Brücke zu finden, die zwischen der Welt und Gott liegt! Und es ist meine Aufgabe, dir bei der Erkenntnis zu helfen, dass du sie dann findest, wenn du selbst anderen diese Brücke bist.

U: Ich danke dir, Merian, und hoffe, dass dieses Reading Katharina hilft, diese Brücke zu verstehen.

M: Oh, verstehen ist nie ein Problem, aber gehen (lächelt).

U: Merian, darf ich jetzt die Fragen von Katharina stellen?

M: gerne!

U: Katharina fragt, warum du ihr Schutzengel bist, aber ich denke, das hast du schon erklärt?

M. lächelt: Ja, es ist Liebe, Katharina, einfach Liebe. Nicht nur meine, sondern vor allem Gottes Liebe zu dir.

U: Sie hat um eine vergangene Inkarnation gebeten, das hast du ja auch schon getan!

M. lächelt: Ich bin ihr ähnlich, auch Katharina hat die Gabe, den Wünschen der Menschen, die ihr wichtig sind, zu entsprechen, ehe die auch nur etwas sagen.
Die Frage ist allerdings, ob dies wirklich immer nützlich ist.
Und wenn ja, wem?
Und wozu?
Wenn ich so handle, dann ganz gewiss, um Katharinas Seele nützlich zu sein, aber bin auch nicht mehr an das menschliche Bewusstsein gebunden.

U: Was soll Katharina in der jetzigen Situation lernen?

M: Ihre Emotionen mit der Realität zu verbinden, statt beides voneinander getrennt zu betrachten. Das eine braucht das andere, um wahr zu sein. Katharina braucht Hilfe dabei, ihre eigene emotionale Situation realistisch einschätzen zu können. Damit meine ich keinesfalls den Aspekt der Nutzbarkeit, sondern den der Wahrhaftigkeit sich selbst gegenüber.

U: Sie fragt, was ihre Seelenfamilie ist?

M: die der Lehrer.

U: Kannst du ihr sagen, warum sie mit 37 Jahren noch kein Kind hat?

M: Weil sie Angst hat, dass es auch ein Opfer der Mutter sein könnte. Katharinas Angst vor den eigenen Untiefen ist ganz und gar unrealistisch, leider.

U: Abschließend schreibt Katharina, dass du ihr im Leben schon oft geholfen hast, dafür möchte sie sich sehr gerne bedanken!

M: Wenn ich jetzt sagen würde, es war mir stets ein Vergnügen, dann wäre das nicht wahrhaftig. Das Liebste wäre mir, Katharina würde sehen, dass SIE SELBST sich oft geholfen hat, aber das wird sie erst später verstehen.

U: Dann sind wir jetzt am Ende, Merian, hab vielen Dank!

M: Es war mir eine Freude.

Merian geht und lässt als Geschenk an seinen Schützling einen wunderschönen Schörl zurück.
Dann löst sich der Kontakt auf.

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